Ein Bauer bewirtschaftete ein ganz gewöhnliches Feld.
Unter der Erde verbarg sich eine Welt von vor 1.600 Jahren.
Jahrelang sah es aus wie ein ganz normales Ackerfeld im Südwesten Englands. Niemand, der die grüne Landschaft von Devon betrachtete, hätte vermutet, dass sich nur wenige Meter unter der Erde die Überreste einer außergewöhnlichen römischen Villa verbergen. Archäologen entdeckten dort eine luxuriöse Villa, ein prachtvolles Mosaik und sogar ein privates Badehaus.
Diese Entdeckung zeigt, dass selbst vor 1.600 Jahren das Leben in einer weit von Rom entfernten Region Englands überraschend luxuriös sein konnte.
Ein gewöhnliches Feld verbarg eine außergewöhnliche Geschichte
Die Villa liegt zwischen den Ortschaften Halberton und Sampford Peverell in der Grafschaft Devon.
Archäologen der University of Exeter und von Cotswold Archaeology führten dort Ausgrabungen durch und legten einen deutlich größeren Teil der Anlage frei, als ursprünglich vermutet worden war.
Die größte Überraschung war ein farbenprächtiges Mosaik mit einer Fläche von rund zwölf Quadratmetern.
Es besteht aus Tausenden kleiner Steinwürfel in Rot, Weiß sowie Dunkelblau-Grau. Im Zentrum befindet sich ein dekoratives Blumenmotiv mit sich überlappenden Blütenblättern.
Nach Ansicht der Wissenschaftler schmückte das Mosaik vermutlich einen Raum, der zum Empfang von Gästen oder für gemeinsame Mahlzeiten genutzt wurde.
Ein Haus mit eigenem Badehaus
Doch das Mosaik war längst nicht die einzige Überraschung.
In unmittelbarer Nähe des Hauptgebäudes entdeckten die Archäologen ein aufwendig angelegtes römisches Badehaus.
Es verfügte über mindestens zwei Tauchbecken sowie Wände, die mit bemaltem Putz verziert waren.
Für uns mag das heute nichts Besonderes sein. Man sollte jedoch bedenken, dass diese Anlage vor rund 1.600 Jahren entstand – zu einer Zeit, als die meisten Menschen in dieser Region wesentlich bescheidener lebten.
Ein privates Badehaus, kunstvolle Mosaike und wertvolle Gegenstände sprechen dafür, dass die Bewohner der Villa wahrscheinlich zur wohlhabenden lokalen Oberschicht gehörten.
Wer lebte in diesem Haus?
Das wissen die Archäologen bislang noch nicht.
Die Funde zeigen jedoch deutlich, dass die Bewohner wohlhabend waren und einen ausgeprägt römischen Lebensstil pflegten.
Zu den Entdeckungen gehören unter anderem eine Gemme mit der Darstellung der Siegesgöttin Victoria, ein Armreif aus einer Kupferlegierung, ein versilberter Löffel sowie zahlreiche Fragmente römischer Keramik.
Solche Gegenstände dienten nicht nur dem täglichen Gebrauch – sie waren auch Ausdruck von Wohlstand und gesellschaftlichem Ansehen.
Die Römer kamen weiter, als viele vermuten.
Die Entdeckung ist auch deshalb bemerkenswert, weil Devon weit vom Zentrum des Römischen Reiches entfernt lag.
Dennoch errichtete hier jemand ein Anwesen, dessen Ausstattung und Architektur den Villen wohlhabender Römer in anderen Teilen des Imperiums ähnelte.
Besonders bedeutend ist das Mosaik.
Nach Angaben der Archäologen handelt es sich um das westlichste bislang bekannte römische Mosaik dieser Art in Britannien.
Das zeigt, dass der Einfluss der römischen Kultur deutlich weiter reichte, als lange angenommen wurde.
Das Spannendste wurde möglicherweise noch gar nicht entdeckt
Die Archäologen vermuten, dass sich unter der Erde noch weitere Teile der Anlage befinden.
Möglicherweise gehörten zur Villa zusätzliche Gebäude, Gärten und weitere Räume, die bislang noch nicht freigelegt wurden.
Die Ausgrabungen sind deshalb noch lange nicht abgeschlossen.
Sie stehen vielmehr erst am Anfang.
Weitere Untersuchungen könnten zeigen, wie groß das gesamte Anwesen tatsächlich war und wer dort einst lebte.
Alles begann mit einem Metalldetektor
Interessanterweise begann diese Entdeckung nicht mit einer großen archäologischen Expedition.
Bereits im Jahr 2004 stieß ein örtlicher Hobby-Sondengänger mit seinem Metalldetektor auf Gegenstände, die auf eine römische Siedlung hindeuteten. Erst spätere Untersuchungen führten schließlich zu einem umfangreichen archäologischen Forschungsprojekt.
Heute arbeiten Archäologen, Wissenschaftler, lokale Gruppen und zahlreiche Freiwillige gemeinsam an den Ausgrabungen.
Was geschieht mit dem Mosaik?
Ein Fund von solcher Bedeutung benötigt besonderen Schutz.
Das Mosaik wird derzeit konserviert und soll künftig im **Tiverton Museum of Mid Devon Life** der Öffentlichkeit präsentiert werden.
So können Besucher einen Teil des Bodens sehen, über den die Bewohner der römischen Villa vermutlich vor rund 1.600 Jahren gegangen sind.
Man kann die Augen schließen und sich das damalige Leben vorstellen
Stellen wir uns einen Bewohner dieser Villa vor.
Er steht morgens auf.
Sein Haus besitzt kunstvoll verzierte Böden, bemalte Wände und wertvolle Gegenstände aus verschiedenen Teilen des Römischen Reiches.
Später besucht er das Badehaus.
Am Abend empfängt er Gäste in einem Raum mit dem farbenprächtigen Mosaik.
Vor den Fenstern erstreckt sich die Landschaft Devons – eine Landschaft, die sich an vielen Orten bis heute kaum verändert hat.
Und genau hier beginnt der faszinierendste Gedanke.
Der Mensch, der vor 1.600 Jahren über dieses Mosaik lief, konnte sich wohl kaum vorstellen, dass sein Zuhause eines Tages Menschen des 21. Jahrhunderts in Staunen versetzen würde.
Unter der Erde warten noch viele Geschichten
Diese Entdeckung erinnert uns daran, dass Geschichte nicht nur in Museen zu finden ist.
Manchmal liegt sie unter einem Acker, in einem Garten, unter einem Wald oder sogar unter einer ganz gewöhnlichen Straße verborgen.
Es braucht nur den richtigen Ort, Geduld und ein wenig Glück, um Spuren von Menschen zu entdecken, die vor Hunderten oder sogar Tausenden von Jahren gelebt haben.
Und im Fall der römischen Villa in Devon hoffen die Archäologen auf noch mehr.
Möglicherweise verbirgt sich unter der Erde ein wesentlich größerer Teil der Anlage.
Vielleicht werden die nächsten Ausgrabungen zeigen, dass die jetzt entdeckte Villa nur ein kleiner Teil eines weitläufigen römischen Landguts war.
Dann würde diese Geschichte aus der Zeit vor 1.600 Jahren noch spannender werden.