Erinnerung an den Sommer
Erinnerung an den Sommer
In den ersten Julitagen, als die Berge noch von Nebel umhüllt waren, machten meine Freundin und ich uns auf eine kleine Reise, um zwischen den Gipfeln Ruhe und Frieden zu finden. Wir mieteten eine gemütliche Wohnung im Erdgeschoss mit direktem Zugang zum Garten, wo das Gras saftig grün war und dahinter ein kühler, kristallklarer Gebirgsfluss dahinplätscherte.
Jeden Morgen begannen wir mit einem Spaziergang, und die Abende verbrachten wir bei Kerzenschein mit Gesprächen über unsere Lieblingsschriftsteller und die romantische Dichtung, für die wir beide eine besondere Leidenschaft hatten.
Ich erinnere mich an einen Abend, an dem wir über William Faulkners Roman „Die wilden Palmen“ diskutierten. Faulkner erforscht darin die Motive von Liebe, Hingabe und tragischen Entscheidungen.
Wir bemühten uns auch, abends Tanzveranstaltungen zu besuchen, die schnell zu einem der schönsten Bestandteile unseres Aufenthalts wurden. Wenn ich mit meiner Auserwählten tanzte, konnte ich meinen Blick nicht von ihren grünen Augen lösen – außergewöhnlich groß, leuchtend und voller Leben. In ihnen lag zugleich etwas Liebenswertes, Fröhliches und Warmes.
Ich liebte die Musik, bei der wir einander so nah sein konnten, eng aneinander geschmiegt, die Gegenwart des anderen in jeder Bewegung und jedem Atemzug spürend. In solchen Momenten verloren die Tanzschritte ihre Bedeutung. Unsere Seelen schienen so vollkommen aufeinander abgestimmt zu sein, dass auch unsere Körper mühelos jedem Takt der Musik folgten.
Wir tanzten, als würde uns eine unsichtbare Choreografie führen, geschaffen nicht durch Regeln, sondern durch Gefühle. Die Musik floss dahin, und wir bewegten uns leicht und natürlich in ihrem Rhythmus, als würde die ganze Welt für einige Augenblicke aufhören zu existieren und nur unsere Nähe und die Freude am gemeinsamen Erleben zurücklassen.
Nach diesen wunderbaren Tänzen kehrten wir, etwas erschöpft, aber erfüllt von Glück, in unser Zimmer am Fluss zurück – in dieses kleine Nest der Liebe und Harmonie.
Als ihre Beine zu schmerzen begannen, nahm ich sie ohne zu zögern auf meine Arme und trug sie durch die malerischen, von Laternen erleuchteten Gassen des Städtchens.
Wir lachten und feierten jeden Augenblick, als würde unser Tanz über das Parkett hinaus weitergehen und im Rhythmus unseres gemeinsamen Glücks fortbestehen.
Nach unserer Rückkehr nahmen wir eine erfrischende Dusche, die allerdings nur kurz dauerte, weil das warme Wasser ausging. Das Wasser, das kaum wärmer war als das des Gebirgsbaches, schickte uns schnell zurück ins Bett.
Und in diesem Moment hielt ich meine geliebte Dunkelhaarige voller Fürsorge in den Armen und drückte sie zärtlich an mich, um in dieser kühlen Abenddämmerung noch mehr Wärme zwischen uns entstehen zu lassen.
Nebeneinander liegend träumten wir von einer gemeinsamen Zukunft, von einer guten und beständigen Beziehung, die mit jeder gemeinsam verbrachten Stunde wuchs.
Diese Woche, die so schnell verging, schuf zwischen uns ein unerschütterliches Band – ein Band voller Liebe, Zärtlichkeit und Verständnis. Wir hatten das Gefühl, eins geworden zu sein, als würden unsere Herzen im gleichen Rhythmus schlagen und jeder neue Tag ein Versprechen dessen sein, was noch vor uns lag.
Und als wir diesen Ort schließlich verließen, bemerkten wir, dass eines der Betten unberührt geblieben war – als wäre die Zeit dort stehen geblieben und wir hätten nur unsere stillen Erinnerungen zurückgelassen.
Schließlich kam die Zeit des Abschieds. Der Abschied von der Besitzerin der Pension, die während dieser Woche nicht nur unsere Gastgeberin gewesen war, sondern auch ein Teil der warmen Atmosphäre dieses Ortes.
Sie war eine außerordentlich elegante Frau, voller Ruhe und natürlicher Herzlichkeit. In ihrem Lächeln lag etwas, das sofort Vertrauen weckte, und von ihrer Gegenwart ging eine Wärme aus, die man unmöglich übersehen konnte.
Als der Moment des Abschieds gekommen war, streckte sie uns die Hand entgegen. Da blieb mein Blick auf einer tätowierten Nummer auf ihrem Arm hängen.
Ich wusste, was sie bedeutete.
Plötzlich erschienen mir alle Worte unzureichend. Diese freundliche, gütige Frau trug die Spuren von Ereignissen in sich, deren Ausmaß man sich kaum vorstellen konnte.
Sie musste meine Überraschung und Verlegenheit bemerkt haben.
Als ich ihre Hand ergriff, beugte ich mich instinktiv vor und küsste sie respektvoll auf die Hand – aus Dankbarkeit für ihre Gastfreundschaft und für all die friedlichen und schönen Momente, die wir gerade hier erleben durften.
Ich holte tief Luft und wollte etwas sagen, etwas fragen, doch sie lächelte nur sanft und legte einen Finger auf meine Lippen, als wollte sie sagen:
„Still, Worte sind nicht nötig.“
Dann blickte sie uns beide an und sagte mit warmer, ruhiger Stimme:
„Vielleicht wisst ihr es noch nicht, aber ihr seid füreinander bestimmt.
Liebt einander und verschwendet dieses Geschenk nicht. Die Liebe wird euch helfen, auch die schwersten Augenblicke zu überstehen, die das Leben mit sich bringt. Und das Leben fließt schnell dahin, genau wie dieser Fluss vor dem Fenster. Man kann es nicht aufhalten, aber man kann dafür sorgen, dass jeder gemeinsam verbrachte Moment es wert ist, in Erinnerung zu bleiben.“
Einen Augenblick lang standen wir schweigend da. Hinter dem Garten rauschte der Gebirgsfluss, genau wie am ersten Tag unseres Aufenthalts. Doch es schien, als trüge sein Murmeln nach diesen Worten eine andere Bedeutung.
Wir nahmen unser Gepäck, unsere Erinnerungen und noch etwas anderes mit – eine einfache, aber unschätzbar wertvolle Lektion, die uns eine Frau geschenkt hatte, die weit mehr erlebt hatte, als wir jemals begreifen könnten.
Ihre Worte blieben lange bei uns, nachdem die Pension, der Garten und der zwischen den Steinen dahinziehende Fluss längst aus unserem Blickfeld verschwunden waren.
Und so rief diese Erinnerung an jenen Sommer, voller Zärtlichkeit, Liebe und verborgener Lebenslektionen, in mir tiefe Rührung hervor und eine stille Träne der Bewegung.
Deshalb beschloss ich, sie aufzuschreiben, um diese Augenblicke für immer festzuhalten – nicht nur in meiner Erinnerung.
Eljot
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