Arbeitslager Marchewka -Rusland
Schlesier nach dem Krieg verhaftet.
Aus dem Hausarchiv:
16 August 1946.
Interniert sein, o welch schrecklich Wort
zu verstehen kann es nur, der lang gewesen dort.
Grad’ ein Jahr ist es hier,
daß die Hoffnung schwand gar sehr,
krank an Leib, dazu kein Brot.
Es grünst ins Antlitz auch minder grimmige Tod.
Wer nicht ein Mann gekommen,
der sich ein Herz genommen o weh!
Der Herrgott schickt, wie einst den Raben,
Jorg Wienchol bald mit seinen Liebes gaben.
Täglich öffnet gern er seine Hände.
Dem Todeslied bereitet er damit ein Ende.
Was Kochenens schwarze Erde schenkte
Des Abend ser ins Lager lenkte.
Gatt der Herr gab mir die Heimkehr und das Leben,
Will heut alles, wenn auch zum Teil mir,
Gern zurück Dir Geben.
Pomidores, schön, glat, rund.
Ogórki brisch lang und recht gesund
Auch der rote Buraki stelltsihc ein
Für den Appetit rauß die cebula sein.
Markewka so heißt des Lagers Stadt.
Marchewka auch als Nahrung großen Ruf wohl hat.
Kartoszki auch nicht dürfen fehlen,
Wenn von einst man will erzählen.
Hier die nährstoffreichen Böhnen,
mögen dich, den guten Mann, entlohnen.
Leider fehlen hier noch manche Sachen.
Sonnenblumenkerne, Weizen, Melonen, Erbsen
Zuckerrüben, Mais doch da ist tem czasem nichts
zu machen. Auch der Udzik, der ist nicht dabei,
den es fehlt mir noch die Hühnerei,
Ich weiß, Du wirst darüber nicht böse sein
Vielleicht hohl ichs nochmal ein.
Hab dank für Deine Güt’ in bösen Tagen,
Damals, als wir in Markiewka lagen.
Mög’ der Herrgott es Dir lohnen
Dich, Frau und Kinder allen bösen schonen.
Schwieben, den 16 August 1946
Dein Lagerkamerad
und Leidensgenosse
Jozef Ploch
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